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Thailand und Deutschland wollen beim Hochwasserschutz zusammenarbeiten.
neue energie | 11/13 | link | pdf

Berlin und Bangkok im Klimadialog

Thailand will den Anteil der Erneuerbaren an seinem Energiemix bis 2021 auf 25 Prozent erhöhen. Deutschland soll dabei helfen, eine entsprechende Ökostrategie zu entwickeln.

Die deutsch-thailändische Koopera­tion zur Bekämpfung des Klimawan­dels bekommt pohtischen Rückenwind: Im ersten Strategiedialog auf Regierungsebene für grünes Wachstum und eine CO2-arme Wirtschaft haben Berlin und Bangkok eine enge Zusammenarbeit vereinbart, die auch international ausstrahlen soll.

Während das Bundesumweltministe­rium (BMU) im Rahmen seiner interna­tionalen Khmainitiative (IKI) seit 2008 be­reits rund dreißig Projekte in Thailand för­dert oder gefördert hat, gehe es nun darum, politische Verbindungen herzustellen und gemeinsam entwickelte Ansätze in multi­nationale Organisationen hineinzutragen, sagte BMU-Delegationsleiter Karsten Sach am Rande des zweitägigen Dialogs im Sep­tember in Bangkok. Thailand ist das erste Land in Südostasien, in dem es einen sol­chen Austausch auf Regierungsebene zu dem Thema gibt.

"Wir hoffen, dass Thailand innerhalb des Asean-Verbands sehr aktiv wird", sagte der deutsche Chef-Klimaunterhändler, der im BMU für internationale Zusammenarbeit zuständig ist. Thailand habe in den letz­ten drei Jahren die Arbeitsgruppe Klima­wandel innerhalb des Verbands Südostasia­tischer Nationen geleitet und sei auf einem guten Weg, die Entwicklung dort voran­zutreiben.

Die deutsche Seite will mit Thailand auch im Rahmen der internationalen Kli­maverhandlungen (UNFCCC) und in der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (Irena) enger zusammenarbeiten, deren Ratsvorsitzender Sach ist.

Der Strategiedialog soll von nun an jährlich wiederholt werden. Die Idee dafür entstand während des Besuchs der thailän­dischen Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra bei Bundeskanzlerin Angela Mer­kel im Juli 2012. „Die Bekämpfung des Klimawandels ist ein wichtiges gemein­sames Interessenfeld beider Länder", so Sach. Im Vorjahr war Thailand von einem Jahrhundert-Hochwasser überschwemmt worden mit Hunderten Toten und rund 60 Milliarden Euro wirtschaftlichem Schaden und dadurch auf Platz 1 des Globalen Klima-Risiko-Index der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch gerutscht.

Eins der großen Projekte, bei denen Deutschland Thailand berät, ist denn auch die Ausarbeitung eines Klimawandel-Masterplans. Die Laufzeit soll über 2013 hinaus verlängert werden, wie beide Seiten jetzt vereinbart haben. Weitere Schwerpunkte der Kooperation sind erneuerbare Ener­gien, Energieeffizienz, Hochwasserschutz und Verringerung des CO2-Ausstoßes.

Die größte Herausforderung für Thai­land sieht Sach darin, durch die entspre­chenden rechtlichen und regulatorischen Grundlagen Anreize für den Ausbau erneu­erbarer Energien zu schaffen. Es komme darauf an, das Vertrauen von Investoren langfristig aufzubauen und auch die Ak­zeptanz in der Gesellschaft zu fördern. Mit seinem „ambitionierten" Plan, den An­teil erneuerbarer Energien bis 2021 auf 25 Prozent zu erhöhen, sei Thailand auf dem richtigen Weg. Der Fokus liege nun auf der Implementierung. Sach betont: „Es gibt viele Anreize abgesehen vom Klimawandel, zum Beispiel die enormen Kosten für den Import von Brennstoffen."

Er ist überzeugt, dass Deutschland ein guter Partner für Thailand sein kann. Was letztlich umgesetzt werde, sei jedoch die Entscheidung der Regierung in Bangkok. Die Rolle des BMU beschreibt Sach so: „Wir wollen Ehrgeiz beflügeln."