Neue Zürcher Zeitung | 22.07.2006 | link | pdf

Früherer Militärchef der Roten Khmer gestorben

Wichtige Figur für das Tribunal

Der ehemalige Militärchef der Roten Khmer Ta Mok ist am Freitag in Phnom Penh gestorben. Damit reduziert sich die Anzahl der noch lebenden Mitglieder des ehemals engsten Kreises um Pol Pot auf vier Personen. Ta Mok, der auch als «der Schlächter» bekannt war, galt als wahrscheinlicher Angeklagter im Tribunal zur Ahndung der Verbrechen der Roten Khmer, das Anfang des Monats offiziell begonnen hat, sowie als einer der wichtigsten Zeugen.

Nach Aussage seines Anwalts, Benson Samay, starb Ta Mok am frühen Freitagmorgen im Alter von 83 Jahren im Militärkrankenhaus, in das er Ende Juni wegen einer Atemwegserkrankung eingeliefert worden war. Bei dem ehemaligen Führungsmitglied der Roten Khmer, das 1980 bei einem Minenunfall ein Bein verloren hatte, wurde Tuberkulose diagnostiziert. Laut Benson Samay litt Ta Mok ausserdem an Herzproblemen. Sein Zustand habe sich im Krankenhaus stark verschlechtert, sagte der Anwalt im Gespräch. Zeitweise habe er sogar im Koma gelegen. Der Leichnam sei noch am gleichen Tag den Angehörigen übergeben worden.

Ta Mok war der letzte Anführer der Roten Khmer, bevor sich diese im Jahr 1998 ergaben. Er befand sich seit seiner Festnahme 1999 in Untersuchungshaft. Dem «Schlächter» wurde eine entscheidende Rolle bei den Massakern der Roten Khmer zugesprochen, deren Greueltaten laut Schätzungen mindestens 1,7 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Der frühere Armeechef hatte jedoch stets seine Unschuld beteuert. In den vergangenen Wochen hatte er über seinen Anwalt bekannt gegeben, er wolle gerne vor den «Ausserordentlichen Kammern der Gerichte Kambodschas» - in denen 17 kambodschanische und 12 von den Vereinten Nationen gestellte Richter und Ankläger zusammenarbeiten - aussagen und werde seine Version der Ereignisse unter der Herrschaft Pol Pots von 1975 bis 1979 darlegen.

Das Tribunal befindet sich immer mehr in einem Wettlauf mit der Zeit, denn auch die verbleibenden ehemaligen Führungspersonen der Roten Khmer sind betagt und zum Teil krank. Die Ankläger des Tribunals haben mit dem Sammeln von Nachweisen begonnen, doch Gerichtsverhandlungen werden nicht vor 2007 erwartet. Im Gefängnis sitzt jetzt nur noch Kaing Khek Iev, alias «Duch», der Leiter des Foltergefängnisses Tuol Sleng in Phnom Penh. In Freiheit in Kambodscha lebende Mitglieder des ehemaligen Politbüros der Kommunistischen Partei und Weggefährten Pol Pots, der 1998 starb, sind Nuon Chea, Präsident des Zentralkomitees und ideologischer Wegbereiter der Roten Khmer, Ieng Sary, Aussenminister sowie Stellvertreter und Schwager Pol Pots, und das ehemalige Staatsoberhaupt Khieu Samphan.