E+Z | 15.03.16 | Link

Weltweit bedroht

Bestäuber wie Bienen und Schmetterlinge sind ein entscheidender Faktor für die Welternährung und Ernährungssicherheit. Kleinbauern sind in besonderem Maße auf sie angewiesen. Doch die Bestäuberarten gehen rapide zurück. Dafür verantwortlich sind unter anderem der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft und der Klimawandel.

mmer mehr Bestäuberarten auf der ganzen Welt sind vom Aussterben bedroht. Die Lebensgrundlage von Millionen Menschen steht auf dem Spiel, Nahrungsmittel im Wert von hunderten Millionen Dollar sind in Gefahr. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Februar veröffentlichte Studie des Weltbiodiversitätsrats (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services – IPBES). Der Bericht zur Lage der Bestäuberarten beruht den Autoren zufolge auf dem aktuellen Forschungsstand und indigenen und lokalen Wissenssystemen.

Die wichtigsten Bestäuber sind Bienen. Es gibt allein mehr als 20 000 Wildbienenarten. Menschen züchten seit tausenden Jahren Honigbienen, aber nur die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) wird in großem Stil für die kommerzielle Bestäubung von Feldfrüchten und anderen Pflanzen eingesetzt. Weitere Bestäuberarten sind Schmetterlinge, Fliegen, Motten, Wespen, Käfer, Vögel und Fledermäuse.

Fast 90 Prozent aller blühenden Wildpflanzen und mehr als drei Viertel der Nahrungsmittelpflanzen sind zumindest teilweise auf die Bestäubung durch Insekten oder andere Tiere angewiesen. Bestäubte Pflanzen liefern Obst, Gemüse, Samen, Nüsse und Öle, die wiederum zu den Hauptlieferanten von Vitaminen und Mineralien gehören. Außerdem stellen viele von ihnen wichtige Einkommensquellen in Entwicklungsländern dar, zum Beispiel Kaffee und Kakao. Die weltweite Nahrungsmittelproduktion, die von Bestäubern abhängt, hat dem Bericht zufolge einen jährlichen Marktwert von $ 235 bis  $ 577 Milliarden. In den vergangenen 50 Jahren stieg die von Bestäubern abhängige landwirtschaftliche Produktion um das Dreifache.

Auch Nichtlebensmittelpflanzen sind auf Bestäuber angewiesen. Aus ihnen werden Biotreibstoff wie Raps- und Palmöl, Fasern wie Baumwolle und Kapok, Medizin und Holz sowie Produkte von kultureller Bedeutung, etwa Musikinstrumente, gewonnen.

Hohe Gefährdungsraten

Die UN-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass 16 Prozent der bestäubenden Wirbeltierarten – vor allem Vögel und Fledermäuse – vom Aussterben bedroht sind, Tendenz steigend. Für die meisten bestäubenden Insektenarten liegen keine weltweiten Zahlen vor. Regionale und nationale Erhebungen deuten aber auf hohe Gefährdungsraten hin, insbesondere für Bienen und Schmetterlinge. In vielen Gegenden sind mehr als 40 Prozent der wirbellosen Arten bedroht.

Laut dem stellvertretenden Vorsitzenden von IPBES, Robert Watson, liegt der Rückgang „in erster Linie an veränderter Landnutzung, intensiven landwirtschaftlichen Methoden und Pestizideinsatz, eingewanderten Arten, Krankheiten und Schädlingen und dem Klimawandel.“

Pestizide gefährden Bestäuber dem Bericht zufolge auf der ganzen Welt, auch wenn die Langzeitfolgen noch nicht bekannt seien. Der Klimawandel habe den Lebensraum vieler Hummeln und Schmetterlinge sowie der Pflanzen, die sie bestäuben, verändert. Der Rückgang indigener und lokaler Traditionen in Bezug auf landwirtschaftliche Methoden und den Erhalt vielfältiger Landschaften und Gärten trägt demnach ebenfalls zur Bedrohung der Bestäuberarten bei.

Schutzmöglichkeiten

Die Autoren zeigen eine Reihe von Möglichkeiten zum Schutz von Bestäubern auf. Ein wichtiger Punkt ist die Verbreitung nachhaltiger Landwirtschaft, um die Vielfalt von Agrarlandschaften zu erhalten und Nahrungsmittel ökologisch zu produzieren. Zu den spezifischen Maßnahmen gehören:

  • der Erhalt oder die Schaffung vielfältiger Lebensräume für Bestäuber in landwirtschaftlichen und urbanen Gegenden,
  • der Schutz traditioneller Praktiken und die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern mit fachkundigen Einheimischen,
  • Bildung und Erfahrungsaustausch zwischen Landwirten, Wissenschaftlern, Gewerbe, Gemeinden und der Öffentlichkeit,
  • verringerter Pestizideinsatz, Verwendung alternativer Mittel der Schädlingsbekämpfung und alternativer Praktiken und Technologien, die zum Beispiel die Abdrift von Pestiziden verhindern, und
  • Verbesserung der Bienenhaltung, um Krankheiten in Schach zu halten, und eine bessere Regulierung der kommerziellen Bestäubung.

José Graziano da Silva, Direktor der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) sagte in Reaktion auf den Bericht: „Bestäubungsdienste sind ein ‚landwirtschaftlicher Input’, der die Pflanzenproduktion sicherstellt. Alle Landwirte, besonders Familien- und kleinbäuerliche Betriebe auf der ganzen Welt, profitieren von diesen Diensten.“ Eine höhere Bestäuberdichte und eine größere Biodiversität wirkten sich direkt positiv auf den Ertrag und damit auch auf die Ernährungssicherheit aus. Daher sei eine Steigerung der Bestäubungsdienste auch wichtig, um die Sustainable Development Goals zu erreichen und Kleinbauern bei der Anpassung an den Klimawandel zu helfen.