Gegen Krieg und die Industrie dahinter spricht sowieso schon alles, da braucht es nicht noch weitere Gründe. Es gibt aber einen, der in dem Zusammenhang noch nicht viel öffentliche Aufmerksamkeit bekommen hat: das Klima. Schon die Rüstungsproduktion facht die Erderhitzung an, und wenn Waffen und anderes Kriegsgerät zum Einsatz kommen, verbrauchen sie gigantische Mengen fossiler Treibstoffe. Wobei Einsatz meistens Übung bedeutet. Jeden Tag fahren Panzer durch Deutschland, fliegen Kampfjets durch unseren Luftraum und Kriegsschiffe durch Ost- und Nordsee. Im Krieg ist die Zerstörung, auch von Umwelt, noch viel größer. Die ökologischen Langzeitfolgen von Bomben- und Raketeneinschlägen sind enorm.

Doch auch ein Kampfpanzer (Typ Leopard 2), der auf dem Truppenübungsplatz herumfährt, verbraucht 530 Liter Diesel auf 100 km. Das ist ungefähr 53 Mal so viel wie ein fetter SUV – aber ein Pups im Vergleich zum Verbrauch einer Fregatte oder gar eines Kampfjets. Das Kriegsschiff Bayern etwa, auf dessen Routenplan in diesem Jahr eine sehr weite Reise steht, nämlich in den Indopazifik, verbraucht im Schnitt 6600 Liter Kraftstoff auf 100 km. Und der Eurofighter verbrennt pro Flugstunde 3500 Kilogramm Treibstoff. Das macht ungefähr 11 Tonnen CO2: so viel, wie der/die Durchschnittsdeutsche im ganzen Jahr verursacht. In einer Stunde! Und auf ein paar tausend Flugstunden im Jahr kommt ein Kampfjet schon – die Pilot*innen müssen schließlich üben.

Was der Industriezweig Rüstung und Verteidigung zu den Treibhausgasemissionen insgesamt beiträgt, wird vorsichtshalber gar nicht erst erfasst – oder zumindest nicht offengelegt. Das Gleiche gilt für die Emissionen der Bundeswehr. Und das, obwohl Schätzungen zufolge der größte Teil aller CO2-Emissionen von Bundesinstitutionen auf ihre Kappe geht.

Im Klimaschutzgesetz der Bundesregierung kommt die Bundeswehr nicht vor, auch nicht im Klimapakt Deutschland, im Klimapaket und im jüngsten Klimaschutzbericht. Der Klimaschutzbericht 2018 enthält immerhin einen Hinweis: „Die Emissionen der militärisch genutzten Fahrzeuge bleiben unberücksichtigt“, heißt es dort in Bezug auf das Maßnahmenprogramm der Bundesregierung.

Auch in den internationalen Klimaabkommen sind Militär und Krieg seltsame Geisterposten. Die USA haben dafür gesorgt, dass Kraftstoffe, die bei UN-Einsätzen in anderen Ländern verbraucht werden, aus den verpflichtenden Berichten im Rahmen des Kyoto-Protokolls ausgeklammert sind. Sie müssen weder dokumentiert noch gemeldet werden. Und auch im Pariser Klimavertrag hat man das heiße Eisen militärische Emissionen nicht angefasst.

Angesichts dessen, dass allein das US-Militär mehr Treibhausgase als ganze Industrieländer wie Schweden oder Portugal ausstößt und das Pentagon der größte institutionelle Verbraucher von fossilen Brennstoffen weltweit ist, gehört dringend Licht ins Dunkel. Und wenn das Licht auf Schmutz fällt, was zu erwarten ist, braucht es Ziele und Maßnahmen, ihn zu verringern. Das Militär steht schließlich nicht über den Dingen. Sondern „mitten in der Gesellschaft“ – so heißt es doch immer so schön bei der Bundeswehr. Dann bitte auch beim Klimaschutz!