Infraschall. Schonmal gehört? Also, ich hab erst durch die Windkraftgegner erfahren, dass es ihn gibt. Oder genauer gesagt durch die professionelle Antiwindkraftlobby. Denn die benutzt das Infraschall-Gespenst, um Windräder mit irgendeiner diffusen, unsichtbaren Gefahr zu verknüpfen, die niemand ohne Nerdwissen einschätzen kann. Das macht es zu einem super Mittel, um Ängste zu schüren und damit gegen Windkraft zu mobilisieren.

Infraschall kann man nicht sehen, nicht hören, nicht riechen und nicht schmecken. Bestimmte Frequenzen sollen aber für den Menschen zu spüren sein. Ich hab da selbst keine Erfahrungen, ich muss mich auf die Erkenntnisse der Wissenschaft verlassen. Und das tue ich auch. Bei aller Skepsis, die immer angebracht ist, halte ich die Ergebnisse wissenschaftlicher Methoden grundsätzlich für vertrauenswürdig. Allemal mehr jedenfalls als Verschwörungstheorien oder Esoterik – die auch einiges zum Thema Infraschall beizutragen haben. Ich finde, die Politik sollte auf die Wissenschaft hören.

Blöd ist nur, wenn vermeintliche Profis, die zudem auch noch großen politischen Einfluss haben, wissenschaftliche Methoden nicht richtig beherrschen. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat einen Programmierfehler gemacht und deshalb elf Jahre lang viel zu hohe Zahlen zum Infraschall verbreitet, den Windräder produzieren. Das war natürlich Wasser auf die Mühlen der Antiwindkraftlobby.

Statt 100 Dezibel, wie seit 2009 auf Grundlage der falschen Studie verbreitet, sind es tatsächlich nur 64. Die 36 Dezibel Differenz entsprechen dem Unterschied zwischen einem Fernseher auf Zimmerlautstärke und einem Presslufthammer. Das habe ich von einer IT-Nachrichtenseite – keine Ahnung, wie verlässlich die nun wieder ist oder welcher Quelle ich überhaupt noch trauen kann.

Andere Wissenschaftler haben auf den Fehler schon in der Vergangenheit hingewiesen, was die BGR aber nicht weiter interessiert hat. Da musste erst einer laut werden. Die BGR ist dem Bundeswirtschaftsministerium unterstellt, und dessen Chef Peter Altmaier hat sich jetzt entschuldigt. Die Akzeptanz von Windkraftanlagen habe wohl „ein Stück weit“ unter den falschen Zahlen seiner Behörde gelitten. Für Menschen, die Angst davor haben, dass Infraschall ihrer Gesundheit schadet, hofft er durch die Richtigstellung nun aber auf „eine gewisse Erleichterung“. Altmaier ist ein echter Profi: Aus einem Desaster, für das er die politische Verantwortung trägt, macht er eine gute Nachricht. Wie schön, dass doch alles ganz ungefährlich ist!

Und das stimmt ja auch. Und die verhinderten Windräder können wir einfach jetzt noch bauen. Das ist nicht das größte Problem. Auch dass eine Bundesbehörde einen Fehler macht, kann ja mal vorkommen. Was aber wirklich schlimm ist, ist der Umgang damit: das sture Festhalten an falschen Zahlen, das Nicht-zugeben-wollen des Fehlers, die dünne Entschuldigung des Ministers. Das zerstört Vertrauen in Wissenschaft und Politik. Böse Zungen fragen schon, ob das nicht alles Absicht war. Um Windkraft zu verhindern. Ich glaube nicht. Aber können wir ganz sicher sein?