Börse vor acht ist eine der überflüssigsten Sendungen der ARD, und da gibt es ja wirklich so einiges Verzichtbares. Das Format hat null Nachrichtenwert. Die Informationen, die seit 20 Jahren börsentäglich (sic!) zur besten Sendezeit vor den Hauptnachrichten verbreitet werden, sind sehr langweilig und haben mit dem Leben der meisten Menschen nichts zu tun.

Nur 15,7 Prozent der Deutschen besitzen Aktien oder Fondsanteile. Und von dieser Minderheit hat die Mehrheit irgendwelche Papiere langfristig in einem Depot liegen und will sich auf keinen Fall täglich damit beschäftigen. Natürlich gibt es auch echte Zocker, die permanent überlegen: kaufen oder verkaufen? Aber die warten bestimmt nicht darauf, dass endlich Börse vor acht kommt und ihnen bei der Entscheidung hilft. Denn die Aktienkurse sind tatsächlich auch im Internet! Immer, nicht nur börsentäglich um 19:55.

Die Frage, ob diese Sendung vielleicht mal durch was Relevantes ersetzt werden sollte, ist somit sehr berechtigt. Eine Gruppe von Menschen, die sich „Team Klima vor acht“ nennt, hat dazu eine Idee: Klimanachrichten statt Börsennachrichten. Sie hat im vergangenen Jahr eine Petition gestartet, die ungefähr 30.000 Menschen unterschrieben haben, und in dieser Woche mit einem offenen Brief an den ARD-Vorsitzenden Tom Buhrow nachgelegt, aktuell mit knapp 10.000 Unterschriften. Darin heißt es: „Wir fordern Sie auf, eine wissenschaftlich fundierte und verständliche Klimaberichterstattung anzubieten, täglich und zur besten Sendezeit.“

An der ARD ist die Forderung abgeprallt wie eine Flipperkugel. Begründung eins: Die ARD macht schon „sehr, sehr viel Klimaberichterstattung“, unter anderem in der Sendung Wissen vor acht. Klima vor acht hat nachgezählt: Es stimmt nicht. Weder allgemein noch für Wissen vor acht. Nur zehn der 227 Sendungen dieser Reihe im Jahr 2020 hatten mit dem Thema Klima zu tun. Begründung zwei, aus dem Mund des geschäftsführenden Redakteurs für das ARD-Vorabendprogramm, Christoph Schmidt: „Auch wenn Klimaschutz vielleicht ein hehres und richtiges Ziel ist: Es ist trotzdem erstmal eine parteiische Interessengruppe.“ Als unabhängiger Journalist habe er deshalb ein großes Problem mit Klima vor acht.

Klimaschutz „vielleicht“ ein richtiges Ziel? Nicht etwa Bedingung für das Überleben der Menschheit? Und parteiische Interessengruppe? Ja gut, sie vertritt halt die Interessen aller, denen am Erhalt der Lebensgrundlagen gelegen ist, möglichst auch noch für nachfolgende Generationen. Diese Gruppe dürfte etwas größer sein als die 15,7 Prozent Aktienbesitzer. Die Begründung ist also für die Tonne. Der gebührenfinanzierte, öffentlich-rechtliche Rundfunk dient der Gesellschaft. Ein Denkanstoß, dass zu diesem Dienst neben Fußball, Tatort und Volksmusik auch angemessene Berichterstattung über die existenziellste Krise überhaupt gehören könnte, erfordert definitiv eine andere Reaktion. Team Klima vor acht, ich bin bei euch!