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Singapur nutzt laut einer Analyse von UN-Habitat den öffentlichen Wohnungsbau vorbildhaft für die Gestaltung von Lebensräumen in der Stadt. Über die Jahrzehnte hat sich das Konzept gemäß den veränderten Bedürfnissen der Menschen und der Entwicklung des Stadtstaats gewandelt.

Die Bereitstellung von öffentlichem Wohnraum in Singapur ist einzigartig. 82 Prozent der rund 5,8 Millionen Einwohner leben in Wohnungen, die die staatliche Wohnungsbaugesellschaft Housing Development Board (HDB) errichtet hat. In den günstigsten dieser Wohnungen liegen die Mieten weit unter dem Marktpreis. Ein großer Teil wird verkauft, so dass auch der Anteil von Wohneigentum in dem dicht besiedelten südostasiatischen Land sehr hoch ist.

Singapur ist ein globales Finanz- und Handelszentrum, in dem freie Marktwirtschaft herrscht. Doch an entscheidenden Stellen greift der Staat regulatorisch ein – unter anderem, um sozialen Ausgleich in der „Millionärsoase“ mit sehr hohen Lebenshaltungskosten zu schaffen (siehe Konversation mit Anna-Katharina Hornidge in E+Z/D+C e-Paper 2020/10, Schwerpunkt). Das Thema Wohnen spielt in dem Zusammenhang eine große Rolle.

UN-Habitat, das Wohn- und Siedlungsprogramm der UN, widmet Singapur den jüngsten Teil seiner „Housing Practice Series“. Die Reihe stellt Programme zum öffentlichen Wohnungsbau weltweit vor, um vor allem Entwicklungsländern Möglichkeiten aufzuzeigen, Wohnraum in Städten zu schaffen, die Bildung von Slums zu reduzieren und die Wohnbedingungen der Menschen zu verbessern. Ziel ist es, angemessenen, erschwinglichen und nachhaltigen Wohnraum für alle zu schaffen, wie auch im 11. Ziel für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goal – SDG) der UN vereinbart ist.

Singapur hat Anfang der 1960er Jahre in Reaktion auf das starke Bevölkerungswachstum begonnen, staatliche Wohnungen zu bauen. Seitdem hat die HDB mehr als eine Million Wohneinheiten errichtet – und damit zugleich weitere stadtplanerische Ziele erreicht, etwa die Beseitigung von Slums, eine Neuentwicklung des Stadtzentrums und den Aufbau von Industrie, sowie gesellschaftliche und politische Herausforderungen gelöst, die sich aus der sehr heterogenen und ethnisch diversen Bevölkerung ergeben.

Laut dem UN-Bericht war der Ansatz unter anderem deshalb so erfolgreich, weil für die Menschen weit mehr als ein bezahlbares Dach über dem Kopf entstanden sei: Um die Häuser herum schuf die Stadt ein Umfeld, in dem die Bewohner leben und arbeiten, lernen und ihre Freizeit verbringen. So machte sie die Wohnkomplexe – unter starker Beteiligung der Menschen und in Kooperation mit allen relevanten Behörden – zum Mittelpunkt sozialer Infrastrukturen. Die Identifikation der Menschen mit diesem Umfeld sei sehr groß. Damit hängt auch ein weiterer Faktor zusammen: Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern wird sozialer Wohnungsbau in Singapur nicht mit schlechter Qualität und Unterschicht in Verbindung gebracht.

Zwei Segmente

In den 1980er Jahren stellte der Staat den sozialen Wohnungsbau vorübergehend ein und gab das Ziel aus, dass möglichst alle Menschen in Eigentumswohnungen leben sollten. So zerfiel der öffentlich errichtete Wohnraum in zwei Segmente: neuere, größere Eigentumswohnungen und kleinere, ältere Mietwohnungen. Das hatte zur Folge, dass der Bedarf in der Mitte zwischen Sozialwohnung und Eigentum nicht mehr gedeckt wurde. Mittlerweile sind aber auch kleine Wohnungen zum Kauf auf dem Markt.

Ab 1990 lag der Fokus darauf, die in die Jahre gekommenen Gebäude zu renovieren und das Umfeld zu verbessern. Viele Bewohner sind in den Wohnungen alt geworden, ihren veränderten Bedürfnissen sollte im Rahmen des Modernisierungsprogramms Rechnung getragen werden. Aktuell konzentriert sich die HDB vor allem darauf, attraktiven Wohnraum für die nächste Generation an Bewohnern zu schaffen.

Laut UN-Habitat zeigt das Beispiel Singapurs, dass es möglich ist, die allgemeine Entwicklung hin zu immer weniger Sozialwohnungen umzudrehen, und dass Wohnraumförderung nach wie vor in wirtschaftlich unsicheren Zeiten zu gesellschaftlicher Stabilität beitragen kann.

 

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